Säure-Basen-Haushalt im menschlichen Körper

 

Auszug aus der Zeitschrift “Ernährung und Medizin“ Ausgabe 8/96 von Norbert Treutwein

 

Eine zunehmende Zahl von Ärzten führen viele Krankheiten (zumindest indirekt) auf die Übersäuerung des menschlichen Organismus zurück.

Ihre These: Nahrungs- und Genussmittel, die im Körper Säure erzeugen, wirken zusammen mit einer bewegungsarmen, stressbeladenen Lebensweise. Einer Lebensweise, die verhindert, dass Säuren auf dem natürlichen Weg über Nieren, Darm, Haut und Lunge wieder aus dem Körper geschafft werden. Die Fähigkeit des Körpers, solche Säuren zu neutralisieren und auszuscheiden, lässt immer mehr nach. Also werden die Säuren im Bindegewebe, teilweise auch in den Gelenken und Muskeln als „Giftmüll“ deponiert.

Insofern gleicht die Übersäuerung des Menschen dem Waldsterben. Denn was passiert anderes in der Natur? Fichten nehmen das Schwefeldioxid aus der Luft auf, deponieren es als Sulfat in ihrem >>Bindegewebe< < - und entziehen ihren älteren Nadeln und Zweigen auch noch die letzten Basenstoffe wie Kalzium, Kalium und Magnesium, um die Säurebildner aus der Umwelt zu neutralisieren und zu entsorgen. Daran stirbt der Wald mit der Zeit.

Auch der menschliche Körper versucht, sich auf ähnliche Weise zu helfen. Enthält die Nahrung zu wenig Basenstoffe, dann entzieht der Organismus zum Beispiel den Knochen ihr Kalzium. Er nimmt die Knochenschwäche Osteoporose in Kauf, um mit den Säuren fertig zu werden.

Diese Säuren sind schlimme Übeltäter: Sie lassen das Blut dicker werden, erhöhen die Blutfettwerte für Cholesterin und Triglyzeride. Und sie rufen mit der Zeit Krankheiten hervor wie Magengeschwüre, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Gicht, Hexenschuss, Hautallergien, Muskel- und Gelenkrheuma.

Auch bei der Entstehung von Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs sind sie mit im Spiel. Chronische Müdigkeit, nachlassende Konzentration, Unlust und geringe Belastbarkeit sind ebenfalls eine Folge der Säurekatastrophe. Sogar die Zähne werden durch den sauren Speichel angegriffen.

Wenn der Körper übersäuert ist, muss man die Ernährung etwas umstellen

 

Die Faustregel der Entsäuerung lautet:

Essen Sie so wenig wie nur möglich, aber mengenmäßig immer viermal so viel Basenbildner wie Säurebildner. Also wenig Fleisch, Fisch, Ei, Milchprodukte – und vor allem keinen Zucker, denn der raubt dem Körper Kalzium. Versuchen Sie auch, über längere Zeit ohne >>Säureverstärker<< wie Alkohol, Nikotin und negativen Stress zu leben.

Verschaffen Sie sich regelmäßig körperliche Bewegung. Sie mobilisiert die Säuren, so dass sie ausgeschieden werden können. Gönnen Sie sich Schwitzkuren in der Sauna, und – vor allem – trinken Sie viel Wasser oder Mineralwasser. In jedem Fall Flüssigkeit, die keine oder möglichst wenig Kalorien hat, die aber ein unentbehrliches >>Förderband<< ist, damit die neutralisierten Säuren den Körper verlassen können. Lunge, Nieren Darm und Haut sind die wichtigsten Auslasspforten für die Gifte des säuregeplagten modernen Menschen.

Natürlich sind die Säuren lebensnotwendige Bestandteile unserer Gewebe und Organe. Aber sie müssen im richtigen Verhältnis vorhanden sein. Möglicherweise ist der menschliche Körper seit der Steinzeit auf eine andersartige Ernährung programmiert. Der damalige Mensch lebte jedenfalls überwiegend basisch und karg, nämlich von Pflanzen, Wurzeln, Beeren, Körnern,  nur bei seltenem Jagdglück gab es Fleisch satt..

Durch konsequente Entsäuerung sind sogar Kopfschmerzgeplagte oder Patienten mit jahrelang anhaltender Migräne wieder beschwerdefrei geworden. Depressive haben neue Freude am Leben gefunden, und bei Patienten mit Krebserkrankungen konnte zumindest die Lebensqualität erheblich verbessert werden.

In manchen Fällen führt bereits eine neue Gewichtung der täglichen Nahrungsmittel dazu, dem unter Müdigkeit leidenden sauren Menschen wieder auf die Beine zu helfen.